Erlebtes von Christine B. aus Zauckerode:

Bis 1977 wohnten mein Mann und ich mit unseren 2 Knaben – 3 und 1 Jahr alt in Pretzschendorf im alten Bauernhaus meiner Großeltern. Die Räume waren klein und niedrig, nur die Wohnküche heizbar, die Schlafräume im Winter eisig, zugiges Plumpsklo, Wasser musste aus dem Trog geholt werden usw.  Ansonsten  war viel Natur rundherum – aus dem Haus heraus waren wir gleich auf der Wiese.  Es war sehr ruhig.

Mein Mann arbeitete damals im Edelstahlwerk. Der tägliche weite Arbeitsweg, vor allem im Winter, war nicht einfach. Auch deshalb hatte er einen Wohnungsantrag gestellt.

Eines Tages sagte mein Mann, dass wir in Freital-Zauckerode eine Neubauwohnung mit Fernheizung bekommen könnten. Das war damals etwas Großartiges. Eine Wohnung mit fließend Wasser und Bad, mit Fernheizung und Balkon. Aber mir, als Landkind, wollte das nicht so gefallen. Plötzlich in einem Wohnblock „eingesperrt“ sein. Wohin im Sommer??? Viele Menschen in unmittelbarer Nähe und vor dem Schlafzimmerfenster eine Straße.

Trotzdem entschieden wir uns für Zauckerode und zogen im Spätsommer 1977 in eine 3-Raum-Wohung im 1. Stock im Wohnblock Ringstraße, wo wir heute noch wohnen.

Foto von spielenden Kindern auf der Ringstraße in Freital-Zauckerode, Foto: C. Borrmann
Foto von spielenden Kindern auf der Ringstraße in Freital-Zauckerode, Foto: C. Borrmann

Mit der Zeit haben wir uns eingelebt, Freunde und Bekannte kennengelernt. Mit unseren Nachbarn hatten wir ein gutes Verhältnis. Unsere Kinder sind hier aufgewachsen und „aus dem Haus gegangen“.

Um im Sommer in der Natur sein zu können, haben wir einen Garten gepachtet. Aber auch sonst ist man schnell aus dem Wohngebiet heraus und im Wald oder auf den Feldern. 

Die Nähe der Kaufhalle, Arztpraxis, Frisör, Apotheke, Schulen und Kindereinrichtungen war für uns Werktätige sehr praktisch, damit nicht noch viel Zeit für unnötige Wege verloren ging. Aber auch heute als Rentner schätzen wir dieses.

Seit 1977 bin ich Mitglied in der Wohnsportgemeinschaft Zauckerode. Auch dadurch lernten wir schnell Freunde kennen. Bis heute haben wir guten Kontakt zueinander und unternehmen noch manches gemeinsam. Auch das trug dazu bei, dass wir uns gut eingelebt haben.

Der Lärm vor dem Schlafzimmerfenster hat mich jahrelang belastet. Da konnte ich mich einfach nicht daran gewöhnen. Inzwischen kann ich damit leben, da ich nicht mehr arbeiten gehe, wo ich früh raus muss. Es sind ja nicht nur die Autos. Es gehen auch viele Leute unter dem Fenster vorbei, denen nicht bewusst ist, dass sie zu später Stunde stören könnten.

Damit man sich im Haus ein wenig kennenlernen konnte, wurde eine Hausversammlung im Trockenraum durchgeführt, was auch später bei Bedarf beibehalten wurde. Man kannte sich untereinander gut im Haus und war sich mehr oder weniger sympathisch. Mein Mann erinnert sich noch an Faschingsfeiern interessierter Hausbewohner. Mein Mann war Hausvertrauensmann und führte Hausbuch.

In unserem Haus hatten damals alle Familien Kinder. Für die Kinder wurden Weihnachtsfeiern organisiert, die im Trockenraum stattfanden. Auch zum Kindertag wurden im Innenhof Spiele mit den Kindern gemacht. Dazu fanden sich immer Hausbewohner/innen, die das gern taten.

Foto von spielenden Kindern auf der Ringstraße in Freital-Zauckerode, Foto: C. Borrmann

Zauckerode wurde zu der Zeit „Schlammrode“ genannt. Unser Wohnblock war fertig, aber drum herum war noch viel Dreck. Dementsprechend sahen auch die Kinder aus, wenn sie vom Spielen kamen. Lange lagen vor unserem Haus auch noch die Gullys frei. Das verleitete die Kinder zum Klettern. Natürlich fiel unser „Großer“ herunter und brach sich den Arm.

Vieles hat sich seit damals in Zauckerode verbessert. Es sind Spielplätze entstanden. Der größte – der Mehrgenerationenpark ist sehr schön. Mein Sohn, welcher heute in Bayern lebt und seine Familie sind gern mit uns dort, wo das Enkelkind an den Geräten turnen kann. Leider stellten wir mehrfach fest, dass einige Fitnessgeräte beschädigt sind, so dass sie nicht genutzt werden können. Das finden wir sehr traurig. Schade, dass es immer wieder Leute gibt, die diese Sachen mutwillig zerstören. Man gewinnt auch den Eindruck, dass sich nicht so sehr darum gekümmert wird, dass es wieder in Ordnung kommt bzw. so bleibt.

Foto von spielenden Kindern auf der Ringstraße in Freital-Zauckerode, Foto: C. Borrmann
Foto von spielenden Kindern auf der Ringstraße in Freital-Zauckerode, Foto: C. Borrmann

Auch sonst wohnen leider auch hier liederliche Menschen, die Flaschen und Abfälle einfach in die Gegend werfen.

Dass die Bibliothek erhalten geblieben ist, ist wunderbar. Die Interimseinkaufsmöglichkeiten während des Baus des Edeka-Marktes finde ich prima.

Wer kein Auto hat, kann super mit öffentlichen Verkehrsmitteln (Bus) in verschiedene Richtungen fahren.

Vor der bevorstehenden Rekonstruktion der Wohnungen haben wir ein wenig Bange, dass wir das als ältere Menschen noch durchstehen können. Denn wir würden gern noch einige Jahre wohnen bleiben. Wir leben gern in Zauckerode!

Wir sind die letzten Mieter, die von Anfang an in diesem Haus wohnen. Viele sind weggezogen. Unsere Nachbarin ist vor einigen Jahren gestorben. Wir haben in dieser Zeit viele Mieter kennengelernt. Es gab auch Mieter, die durch ihr Benehmen die Gemeinschaft sehr gestört haben.

Die Bilder zeigen Kinderfeste und die Weihnachtsfeier im Trockenraum. Wir erlebten den Abriss alter Gebäude und den Bau der Hochhäuser. Der große Kieshaufen lud die Kinder zum Spielen ein, was sicher mehr oder weniger gefährlich war.

Erlebtes von Petra K. aus Döhlen:

Sehr geehrte Damen und Herren,

Ihrem Aufruf „Zeitzeugen gesucht!“ in der WGF-Zeitung Ausgabe 1/2022 komme ich sehr gern nach.

Unser Mietverhältnis mit dem VEB Gebäudewirtschaft Freital begann am 1.11.1973. Wir haben uns riesig über die Neubauwohnung gefreut. Ein lang anhaltender Kampf um diese Wohnung war vorausgegangen.

Unsere Betriebe und Herr Stadtrat Dahn hatten damals massiv mitgewirkt.

Oft bin ich dann zum Platz der Weltjugend gegangen, um kleinere Mängel in der Wohnung anzuzeigen. Die Kaolleginnen und Kollegen waren jederzeit bemüht, alles schnell in Ordnung zu bringen. Natürlich war dasin der Mangelwirtschaft der ehemaligen DDR nicht so einfach.

Dann kam die Wende und alles-wurde anders, auch die Mieten. Unsere Wohnungen sind heute auf einemguten Ausstattungsgrad . Wir fühlen uns nach wie vor sehr wohl, auch das Umfeld unserer Häuser hat sichverbessert.

Und die Mitarbeiter der WGF sind Spitze. Angefangen bei Frau Arnold, Frau Berghaff über Frau Trepte und Herrn Lehmann sind alle sehr freundlich und stets bemüht, die Anliegen der Mieter zu erfüllen. Auch die Hausmeister sind nicht zu vergessen, denn sie machen einen guten Job.

Wir wünschen uns noch recht viele Jahre in unserer Wohnung bei guter Gesundheit und den Mitarbeitern der WGF alles Gute, viel Glück in ihrer Arbeit und dass sie noch recht lange zu unserem  Wohlergehen  beitragen können.

Dafür danken wir von ganzem Herzen.

Mit freundlichem Gruß

Petra K.

Foto von der Schachtstraße in Freital, Foto: WGF
Foto vom Platz der Jugend in Freital, Sitz des VEB Gebäudewirtschaft und später der WGF, Foto: WGF

Erlebtes von Rosemarie T. aus Zauckerode:

Mietermagazin Ausgabe 2/2022 Zeitzeugen gesucht.

Sehr geehrte Damen und Herren,

überglücklich und nach langen „Kämpfen“ hielten wir die Zuweisung für eine 3-Raum-Wohnung in Zauckerode, Oppelstraße 2cin unseren Händen. Hatten wir doch 11 Jahre auf der Wilsdruffer Straße, wo heute das Autohaus Gröbel zu finden ist, gelebt. Interessiert wurde von uns das gesamte  Baugeschehen im Neubau gegenüber verfolgt und des Nachts hörten wir die großen Tatra-Laster, welche Baumaterial brachten.

Durch einen glücklichen Umstand konnten wir von der zugewiesenen zweiten Etage schließlich noch in die neunte ziehen. Kaum den Schlüssel in der Hand, sind wir zur Besichtigung der Wohnung aufgebrochen und vielleicht auch vor Aufregung gleich im Fahrstuhl steckengeblieben.

Anfangs hatte ich auch etwas Angst auf dem Balkon, gerade wegen unserem damals dreijährigen Sohn, denn die Höhe ist beachtlich und richtige Sicherheitsgeländer waren noch nicht vorhanden. 

Schnell lebten wir uns ein und wir waren eine super Hausgemeinschaft auf unserer Etage. Die große Hausordnung, welche bis in den Keller und ins Vorhaus führte, endete meist mit einem kleinen Umtrunk. Denn man war schon geschafft, es war noch nicht so, wie heutzutage. Der Betonfußboden war uneben und schwer zu reinigen. 

Kurze Zeit nach unserem Einzug wurde das letzte Hochhaus an der Ringstraße gebaut. Vom Fundament an verfolgten wir auch den Bau auf der Oppelstraße 4.

Foto vom Bau an der Schule in Freital-Zauckerode, Foto: Hort Glückauf
Foto von der Oppelstraße 2 in Freital-Zauckerode, Foto: WGF

Einen Spielplatz für die Kinder gab es noch nicht. An so etwas wie den schönen Mehrgenerationenpark war damals noch nicht zu denken. Aber das Wichtigste war da, unsere schöne Wohnung und dazu Kinderkrippe, Kindergarten, Schule, Turnhalle, Kaufhalle, das Ambu und die Busverbindung.

Nach der Wende wurde viel in den Wohnungen saniert und modernisiert. Die letzte Sanierung war im Jahr 2016, da kam der Brandschutz und Küche sowie Bad waren dran. Von der WGF gab es viel Unterstützung. Die ansässigen Handwerker kamen uns auch bei einigen Dingen entgegen, was ich auch von der WGF insgesamt sagen kann. Im Jahr 2021 wurden dann noch Brandschutzmelder eingebaut und andere technischen Anlagen geprüft.

Die drei Kurzzeitparkplätze vor unserem Haus sind sehr schön. Leider gibt es da auch Verdruss, wenn Firmenfahrzeuge den ganzen Tag drauf stehen.

Foto vom Spielplatz Oppelstraße in Freital-Zauckerode, Foto: WGF

Nicht zu vergessen, dass auch der Fahrstuhl vergrößert wurde. Jetzt konnte man endlich auch größere Sachen transportieren. Vorher musste der Hausmeister immer aufschließen. Herr Seidel, viele Jahre Hausmeister bei uns, hatte die kleineren Anliegen immer zügig erledigt, wofür wir heute noch dankbar sind. Auch sonst hatten wir kompetente Ansprechpartner, wie zum Beispiel Frau Arnold und Frau Herrmann.

Sicher gibt es noch mehr Gutes und Schönes zu erzählen, denn immerhin wohne ich schon über 42 Jahre hier, doch im Alltag geht vieles auch unter.

Ich hoffe, dass ich Ihnen etwas helfen konnte, zumindest die Bestätigung, dass Ihre Arbeit geschätzt wird, was in der heutigen Zeit nicht immer leicht ist.

Mit freundlichen Grüßen 

Rosemarie T.

30 Jahre und noch mehr – die Geschichte der WGF

Der wirtschaftliche und gesellschaftliche Wandel seit 1993 war enorm. So enorm, dass man wohl zu jedem Jahr ein eigenes Kapitel schreiben könnte. Jedes Jahr haben wir saniert und modernisiert, oft auch abgerissen und in jedem Fall haben wir uns entwickelt.

Um einen kleinen Einblick zu geben, finden Sie hier einen Auszug und unsere persönlichen Highlights:

Nach dem Umbruch 1990 wurde es notwendig den nicht rechtsfähigen volkseigenen Betrieb in eine Kapitalgesellschaft umzuwandeln:

Das „Freitaler Modell“ sah vor, vorhandenen Wohnraums in Wohnungseigentum umzuwandeln und diesen an die derzeitigen Bewohner zu sehr geringen Preisen zu veräußern. Ein Konzept, welches kein erfolgreiches Ende finden konnte und dessen „Kopf“ sich nebst seinem Dienstwagen aus dem Staub machte.

Nichts ist so beständig wie die Veränderung. Es war Zeit die Verwaltung des kommunalen Wohnungsbestandes auf langfristig sichere Füße zu stellen: